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2010 – Internationales Jahr der Biodiversität

Häh Biodiwas? Biodiversität. Noch nie was von gehört? So ging’s mir bis vor kurzem auch. Dann stieß ich beim Surfen zufällig auf die Schweizer Website zum internationalen Jahr der Biodiversität, und dort hat Nik Hartmann diesen wissenschaftlichen Terminus in einen Begriff übersetzt, den auch Normalsterbliche wie ich verstehen:

Biodiversität ist einfach ein scheusslich kompliziertes Wort für etwas ganz Schönes: Die Vielfalt des Lebens.

Bei meiner anschließenden weiteren Recherche zum Thema stellte ich fest, dass Biodiversität oft auch schlicht mit Artenvielfalt übersetzt wird. Doch das trifft es m.E. nicht ganz, denn Biodiversität meint mehr als das: Nicht nur die Menge an Arten und Variationsbreite innerhalb dieser Arten, sondern auch die Vielfalt von Lebensräumen.

Folgende Definition, die ich auf dem österreichischen Info-Portal fand …

Diversität ist die Eigenschaft voneinander verschieden zu sein und stellt eine wesentliches Merkmal eines jeden biologischen Systems dar. Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, bezeichnet ganz allgemein die Vielfalt des Lebens und ist eine Funktion von Raum und Zeit.

… bringe ich für mich mit dieser Parole auf den Punkt: Ewig lebe der Unterschied!

Biodiversität ist also eine möglichst große Bandbreite an unterschiedlichen Lebensformen und -räumen, für die unser Planet eigentlich ideale Voraussetzungen bietet. Doch wir haben etliche davon so beeinflusst, dass die Biodiversität weltweit drastisch abnimmt (z.B. durch Überfischung und Verschmutzung der Meere, Treibhauseffekt, Monokulturen, Waldrodungen, Massentierhaltung, Urbanisierung und und und). Vermutlich würde uns das immer noch nicht sonderlich belasten, wenn nicht immer mehr von uns langsam anfingen zu begreifen, dass Biodiversität existenziell für unsere eigene Art ist (Ja ja ich weiß, die menschliche Vernunft wird nach wie vor maßlos überschätzt ;o).

So, da ja nun geklärt ist, womit wir es zu tun haben, bleibt an dieser Stelle noch die Frage: Welchen Beitrag kann eigentlich eine Gärtnerin wie ich zur Förderung der Biodiversität leisten?

Nun, eine Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach und mit keinerlei Mühen verbunden: Leben und leben lassen! Mit anderen Worten: Nicht immer gleich alles ausrupfen oder totspritzen, was nicht um Erlaubnis gefragt hat, bevor es den eigenen Garten mit seiner Anwesenheit beehrt. Erkennen, dass auch der kleinste Garten ein Ökosystem ist, in dem eins vom anderen abhängig ist und den Handlungsspielraum, der sich daraus ergibt, akzeptieren lernen. Soll heißen: Wer seine Blattläuse vergiftet, entzieht gleichzeitig auch den glückbringenden Marienkäfern die Lebensgrundlage. Und wer statt nektarspendender Blumen nur klinisch reinen Zierrasen und Thujenhecken pflanzt, wird auch kaum je einen Schmetterling im Garten zu sehen kriegen; wer keine Raupen in seinem Wirkungskreis dulden kann allerdings ebenso wenig. Das heißt ja nun nicht gleich, dass man jeden ungeliebten Garteneindringling widerstandslos gewähren lassen muss. Häufig reicht es aber schon aus, sich Verbündete zu suchen, um ihn wieder loszuwerden. Ergo macht der Wahlspruch: “Der Feind meines Feindes ist mein Freund” im Garten durchaus Sinn ;o).

Weitere Gelegenheiten, mehr Arten im eigenen Garten anzusiedeln, bietet die Schaffung möglichst vieler unterschiedlicher Lebensräume. Das muss aber gar nicht unbedingt immer ein aufwendig angelegter, pflegeintensiver Gartenteich sein; auch ein Haufen Natursteine oder Totholz, eine Wildblumenwiese, ein Staudenbeet oder eine Hecke aus einheimischen Sträuchern wird von zahlreichen Gartenlebewesen gerne als Behausung und Nahrungsquelle angenommen. Wer darüber hinaus noch zusätzliche Nist- und Futterplätze, wie z.B. Insektenhotels oder Vogelhäuser in die Gartengestaltung einfließen lässt, kann sich sicher bald über einen vielfältig belebten, natürlich schönen Garten freuen.

Mein vorerst letzter Vorschlag zur Förderung der Biodiversität im eigenen Garten bildet im wahrsten Sinne die Basis allen Gartenlebens, denn er betrifft den Boden. Habt Ihr gewusst, dass schon eine Handvoll guter Humusboden mehr Bodenorganismen enthält als Menschen auf unserem Planeten leben? Und diese Wahnsinnsmenge an Leben zu erhalten oder sogar noch zu vermehren ist ganz leicht: Man muss seinen Gartenboden nur regelmäßig mit Kompost füttern.

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Iris | 01.02.2010 | 10:16 Uhr | Gewusst wie

4 Kommentare

  1. Also ich bin ja auch nicht die große “Gartenputzerin”, war ich nie – von daher lebt auch bei mir der Unterschied. Bei uns wird immer nur das Nötigste gerichtet – ansonsten kann alles so gedeihen und sich einrichten, wie es mag.
    Viele ältere Damen, auch meine Schwiegermutter z.B., fühlen sich allerdings nur wohl, wenn die Nachbarn ihren Fleiß im Garten und fein geputzte Beete, auf denen es viele erdbraune, kahle Stellen gibt, besonders loben. Nur dann fühlen sie sich “richtig”. Da kann man noch so viel von den Gegebenheiten in der Natur reden, z.B. von Böden, die am besten immer bedeckt sein sollen, das ist einfach “unordentlich”, und das gehört sich für anständige, fleißige Menschen nun mal nicht. Schließlich darf im Garten nicht die reine Natur herrschen, wo kämen wir denn da hin? … *seufz*

    Wir zwei – du und ich – sind da jedoch völlig einer Meinung. ;-))

    LG – Ulrike

    Kommentar von Ulinne am 01.02.2010 um 15:29
  2. Gerade vorhin habe ich mich mit meinem Mann wieder über die Verarmung auf dem Gemüsesektor unterhalten. Was da in den letzten 30 Jahren passiert ist, das ist kaum wieder gut zu machen. Wir müssen sehr aufpassen, dass wir nicht irgendwann von jeder Art nur noch ein genetisch festbetoniertes Exemplar besitzen. Danke dass du auf das Jahr der Biodiversität hinweist und hoffentlich werden die Menschen achtsamer.
    Lieben Gruß
    Elke

    Kommentar von Elke am 02.02.2010 um 16:41
  3. Ein spannendes Thema.
    Doch, seitdem wir unseren Garten nun dank Blog seit mehr als 3 Jahren genauer unter die Lupe nehmen, müssen wir immer häufiger feststellen, dass ohne unser Zutun die Artenvielfalt in unserem Garten allmählich abnimmt. Gut, im Anfang war der Garten freier. In den ersten Jahren bot er von daher viel Platz für unterschiedliche Pflanzen und entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten. Trotzdem kamen einige Stauden und Sträucher mit dem Klima nicht zurecht, andere konnte die Schnecken-Attacken nicht überleben und manche Standorte waren falsch gewählt, oder die Standortbedingungen haben sich im Laufe der 14 Jahre so verändert, dass dort so manche Pflanze nicht mehr gedeihen kann.
    Das, was Wolfgang vor einigen Jahren noch scherzhaft als ‘auf der Flucht’ bezeichnet hat, ist nun Garten-Alltag geworden: Bestimmte Arten sind so ausbreitungswütig (Waldmeister & Efeu)), dass sie andere verdrängen (Walderdbeere, Gedenkemein, Immergrün & Günsel). Im Idealfall finden die Schwächeren noch ein freies Plätzchen in den freien Steinfugen oder schaffen es gerade noch rechtzeitig sich in die Nachbarsgärten zu versamen oder durch den Zaun hinüber zu wachsen. Auch stellen wir fest, dass sich in unserem dicht bewachsenen Boden kaum noch eingeschleppte oder hereingewehte Samen etablieren können. Und selbst die im Garten vorhandenen Pflänzchen, und auch die teilweise gern gesehenen ‘Unkräuter’ schaffen es nur selten sich durch Saat zu vermehren.
    Sicherlich hätten sie es in einem Garten aus Tuja-Hecken und Rasen da einfacher sich ein Plätzchen zu erobern. Nur da werden sie ja sogleich als unerwünschte Pflänzchen eleminiert.
    Im Vergleich zu anderen Siedlungsgärten bietet unser Garten noch immer viel Lebensraum auf recht wenig Quadratmetern. Aber das, was wir in einem schön gestalteten abwechselungsreichen Garten da normalerweise dicht an dicht pflanzen, damit möglichst das ganze Jahr durchgeblüht wird, das hat eigentlich auch nicht viel mit naturnähe zu tun. Da scheinen ganz andere Regeln zu gelten – und auch weniger Pflanzenvielfalt pro Quadratmeter …
    Aber ich denke mir, dass es bei der Biodiversität eigentlich auch um größere Flächen als um einen Siedlungsgarten geht.
    LG Silke

    Kommentar von SchneiderHein am 07.02.2010 um 16:12
  4. @Silke:
    Zunächst mal vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine Gedanken und Erfahrungen bzgl. Biodiversität in Eurem ‘Wildwuchs unter Aufsicht’. Es freut mich, dass Du Dich so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hast. Auf einen Deiner Denkanstöße möchte ich hier noch kurz eingehen:

    Aber das, was wir in einem schön gestalteten abwechselungsreichen Garten da normalerweise dicht an dicht pflanzen, damit möglichst das ganze Jahr durchgeblüht wird, das hat eigentlich auch nicht viel mit naturnähe zu tun.

    Sicherlich hast Du Recht damit, dass sich in unserem kleinen Garten, ohne regulierende Eingriffe, keine solche Pflanzenvielfalt erreichen lässt, wie wir sie uns wünschen und schön finden. Stattdessen würden wenige ausbreitungsstarke, robuste Pflanzen die schwächeren dominieren und sie wohl mit der Zeit verdrängen (wie Du es ja auch aus Euren Erfahrungen beschreibst).
    Allerdings ist ein Garten ja auch keine unberührte Wildnis, sondern eine kultivierte Landschaft. Demnach ist naturnahe Gartengestaltung nach meinem Verständnis nicht gleich ursprüngliche Natur. Es ist für mich vielmehr der Versuch, bei der Befriedigung meiner Bedürfnisse im Garten, auch die der anderen Lebewesen darum und darin zu berücksichtigen. Und das kann ich nur, wenn ich sie und ihre Lebensbedingungen kenne.
    btw: Diesem NABU-Artikel über naturnahe Gartengestaltung kann ich viel abgewinnen:
    Schritt für Schritt zum Naturgarten

    Nachtrag zu Deinem Schlusssatz: Ich denke mir, dass man mit dem Schutz der Biodiversität auch im Kleinen anfangen kann, z.B. auch in einem Siedlungsgarten. Denn viele kleine Flächen summieren sich zu großen…

    Kommentar von Iris am 07.02.2010 um 17:55

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